Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 3

Oder auch: Der Mann, der auf die Bäume klettert

Der Landkreis sah sich also in der Pflicht, unsere Meldungen und Entdeckungen bezüglich der Bruthorste zu prüfen. Nach einigen Telefonaten war auch schnell ein passender Experte gefunden, der extra seinen Weg zu uns in den Landkreis machen würde. Vorab wurden die entsprechenden Daten zur Vorbereitung übermittelt und wir organisierten ein paar von uns für den angedachten Termin, die zusammen mit dem Gutachter die einzelnen Bäume aufsuchen sollten.

Ob das Wetter wohl hält?

Das Wochenende vor der Begehung zog Regen auf. Nicht gut, gar nicht gut. Die ganzen Vogelkotspuren drohten sich im wahrsten Sinne des Wortes zu verflüssigen und im Erdreich zu versickern. Wir hatten zwar unsere Proben längst genommen (wir erinnern uns an die telefonische Odyssee quer durch die Republik zwecks Analyse), aber würde das nicht zu unserem Nachteil ausgelegt, wenn praktisch nichts mehr am Boden zu sehen sein würde? Mit etwas Unbehagen harrten wir also aus und baten das Wetter, gnädig mit uns zu sein. Denn auch mit GPS-Koordinaten und Fotos bewaffnet ist es in einem belaubten Waldstück echt schwer, genau den einen bestimmten Baum wiederzufinden…

Wer da wohl wohnt hoch oben im Baum?

Die Tage vergingen, das Wetter hielt einigermaßen an. Und plötzlich war er da: der Tag der Begehung mit dem Gutachter. Ein kleiner Trupp traf sich wie verabredet. Schon konnte die „kleine“ Tour beginnen. Aufgrund der Verteilung der einzelnen Bruthorste kann man sich vermutlich vorstellen, dass die kleine Tour eher einem ausgewachsenen Geländemarathon glich und einige Stunden dauerte.

Woran wir bis zu dem Moment keinen wirklichen Gedanken verschwendet hatten, war die Frage: Wie will der Gutachter denn eigentlich bestimmen, welcher Vogel da im Nest sitzt? Im Telefonat mit dem Landkreis als es um die Terminabstimmung ging, wurde zwar etwas erwähnt, was wir aber eher als lockeren Witz aufgefasst hatten.

Der Zauberrucksack

Wir staunten also nicht schlecht, als der Gutachter aus seinem von uns bislang wenig beachteten Rucksack diverse Gerätschaften zauberte. Es dauerte einen Moment, ehe es uns dämmerte. Er hatte tatsächlich vor, auf den Baum zu klettern! Noch bevor wir das in irgendeiner Form kommentieren konnten, war er auch schon – schwupps – oben. Hätten wir es nicht selbst gesehen, wir könnten es kaum glauben.

Kurz darauf war er auch schon wieder unten und der Marsch zum nächsten Bruthorst konnte fortgesetzt werden.

Wir dachten, das wär’s schon gewesen

Während wir uns also Stück für Stück von Horst zu Horst arbeiteten, erzählten wir so von unseren bisherigen Sichtungen. Der Gutachter hörte höflich zu, nickte, kommentierte aber wenig bis kaum und wechselte eher Richtung Small Talk und allgemeine Themen wie das Wetter.

Bei einem der weiteren Horste im Verlauf unserer Exkursion war für ihn aber auch nichts mehr zu holen mit der bisherigen Prozedur, mal eben auf den Baum hoch zu klettern. Da zog er das nächste unerwartete Teil aus dem Rucksack: eine kleine Drohne. So konnte er sich auch recht gut ein Bild von oben aus der Vogelperspektive machen. Geschickt manövrierte er die Drohne zwischen den Ästen nach oben, prüfte über den Monitor, was da oben saß und schon schwebte das kleine Helferlein sanft zurück zu Boden.

Ganz zum Ende der Tour bedankte er sich für die Führung und gab an, dass er seine Stellungnahme demnächst dem Landkreis zur Verfügung stellen werde. So zog er von dannen und ließ unser Grüppchen etwas verloren am Waldesrand zurück.

Unverhofft kommt oft

Während wir so in der Runde standen und unsere Exkursion der letzten Stunden Revue passieren ließen, kamen wir nicht umhin, etliche Rotmilane im Flug zu beobachten. Dabei fiel uns schon während der vergangenen Stunden auf, dass einzelne Vögel immer aus derselben Richtung zu kommen schienen. Das war interessant und neu und schrie geradezu danach, näher untersucht werden zu wollen.

Zugegeben, ein bisschen gaga kommt man sich ja schon vor. Man ist hundemüde von der stundenlangen Wanderung über Stock und Stein, durch den Wald und querfeldein, und trotzdem registriert irgendwas im Hinterstübchen, dass man da mal näher hinschauen sollte.

Was da wohl für ein Geheimnis darauf wartete, gelüftet zu werden, folgt sobald in: Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 4.

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