Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 2

Oder auch: Auf den Spuren eines Waldläufers

Nachdem die Ortsbegehung beendet war, fanden wir uns also zu einer Absprache zusammen, wie es jetzt weitergehen soll. Die Marschrichtung war klar: Wir brauchen noch mehr Material, das wir dem Landkreis liefern müssen. Von der Ortsbegehung selbst fertigten wir ein Gedächtnisprotokoll an. Man weiß ja schließlich nie, ob man das nochmals braucht, um Informationen nachzuschlagen.

Von Flugsichtungen zu Horsten zu Bruthorsten – ja was denn nun?

Allerdings waren wir auch etwas ratlos, denn unsere Mühen schienen bislang nur bedingt hilfreich für den Landkreis zu sein. Bei der Ortsbegehung hieß es in etwa sinngemäß, dass das eigentlich wichtige nur besetzte Horste seien. Zwar ist die Vielzahl der kartierten Horste auch ein gutes Indiz für das Vorhandensein von Vögeln (wer hätte es gedacht…), aber eben nicht so aussagekräftig, wie wir uns das eigentlich gedacht haben.
(Spoiler: natürlich sind diese trotzdem wichtig, denn auch alte Horste haben eine gewisse Zeit Bestandschutz und sind ein Indikator für die Nutzung des Raums rund um die WEA).

Hätte man uns das mal vorher gesagt… ist ja nicht so, dass wir nicht alle und alles mobilisiert hatten im letzten Jahr, Flugbewegungen und Rotmilansichtungen zu dokumentieren. Wir erinnern uns: im August 2019 haben wir wirklich viele Kartierungen als Gesamtpaket über unseren Rechtsbeistand an den Landkreis gegeben.

Im Laufe der Zeit kristallisierte sich dann aber heraus, dass der Landkreis für seine Prüfung dann doch lieber Horste gehabt hätte. Ok, dachten wir uns, kriegen wir alle zusammen hin. Mit Unterstützung aus den einzelnen Ortschaften haben wir also die „Suche nach Horst“ erfolgreich initiiert und am Ende knapp 70 Horste an den Landkreis melden können. Wir hatten gefühlt schon Grund zur Freude, denn unter unseren Meldungen war bereits ein Bruthorst eines Rotmilans dabei, sowie ein Uhugelege.

Und plötzlich schien es, als wäre das eigentlich und irgendwie doch nicht ausreichend.
Puh, da mussten wir alle echt mal durchatmen.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg

Wer jetzt denkt, wir hätten den Kopf in den Sand gesteckt – weit gefehlt!

Wir einigten uns darauf, uns Unterstützung zu holen, um die von uns kartierten Horste hinsichtlich Besatz mit Brutvögeln zu prüfen. Es ist eine Sache, in unbelaubten Bäumen Horste zu finden, eine andere jedoch, rauszufinden, welcher Horst von Brutpaaren tatsächlich genutzt wird.

Gesucht und gefunden – der Waldläufer auf Spurensuche

Uns war klar, dass es ein relativ großes und aufwendiges Stück Arbeit werden würde, die Horste zu überprüfen. Unterstützung erhielten wir von einem Waldläufer, der tatsächlich auch deutlich mehr Ahnung von Horsten und Vögeln hatte als wir. Innerhalb kürzester Zeit konnte er starten.

Es ging im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein, waldauf, waldein, bei Regen und bei Sonnenschein. 🙂

Und was sollen wir sagen? An dieser Stelle sparen wir uns und allen Lesern die Details zu einzelnen Zwischenerfolgen  und springen direkt zum doch wirklich beachtlichen Ergebnis von 6 mit brütenden Vögeln besetzten Horsten.

Ein Horst, allerdings damals ohne Besatz, war bereits aus dem Gutachten des WEA-Betreibers bekannt gewesen. Hier aber ein Brutpaar nachzuweisen, ist gut für uns.

Wer suchet, der findet und lasst uns auf Nummer Sicher gehen

Hier folgt eine Auflistung der doch beachtlichen Funde unseres Waldläufers. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankschön für den grandiosen Einsatz!

01B20 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 700 Meter
K45 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 850 Meter
04B20 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 1450 Meter
Gutachterhorst41 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 1500 Meter
K6 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 2300 Meter
K34 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 2350 Meter
Uhugelege – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 2250 Meter

Wie können wir aber nun sicherstellen, dass diese gefundenen Horste möglichst auch nicht angezweifelt werden und ihnen zusätzlich mehr Gewicht verleihen?

Die Lösung: wir lassen diese Funde vom Notar beglaubigen! Und wenn wir eh schon dabei sind, das Gedächtnisprotokoll mit den Aussagen z.B. zu Sturm Friedericke lassen wir ebenfalls gleich mit beglaubigen. Gesagt, getan. Ein paar Telefonate später steht ein Termin und am Ende gehen eidesstattliche Versicherungen direkt an den Landkreis.

Derweil weitab vom Wald glühen die Telefonleitungen

Parallel zur Spurensuche unseres Waldläufers haben wir in ganz Deutschland (und das wortwörtlich von Freiburg im Breisgau bis hoch nach Kiel) rumtelefoniert, um irgendwo ein Labor zu finden, das die gesammelten Kotspuren unterhalb der besetzten Horste analysieren kann. Das wäre eine „einfache“ Methode gewesen, zu bestimmen, welcher Vogel da nun brütet. Leider ist „einfach“ für einen Laien in der Praxis für den Experten manchmal schwieriger als es sich der Laie denkt…. Egal wo, uns wurde praktisch einstimmig landauf, landab erklärt, dass dieses Vorhaben praktisch unmöglich ist (Vogelkot ist extrem sauer und eignet sich nicht für eine Probenvorbereitung zur DNA-Bestimmung – wieder was gelernt).

Tada! – Jetzt kommt Leben in die Bude

Die Zustellung der eidesstattlichen Versicherung der Bruthorste und des Uhugeleges wiederum löste eine Aktion beim Landkreis aus, mit der wir tatsächlich gar nicht gerechnet hatten, die wir aber umso mehr begrüßten: ein offizieller Gutachter muss her. Und zwar schnell.

Weiter geht’s mit Ereignisreicher Juni – Teil 3. Und es bleibt erstmal spannend. 🙂

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