Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 1

Oder auch: Der Stein, der alles ins Rollen brachte

Es wird Zeit, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen und alle auf den neuesten Stand zu bringen. Denn es stellt sich – zurecht! – die Frage: Was ist denn jetzt eigentlich in der Zwischenzeit passiert? Man hört ja quasi nichts, tut sich da noch was? Die Antwort ist ganz klar: JA! Es tat sich jede Menge, die Ereignisse haben sich ein wenig überschlagen.

Wie es nach der „Suche nach Horst“ weiterging

Unsere letzte kommunizierte Aktion war ja „Suche nach Horst“. Wie schon geschrieben, haben wir über 70 Horste im Umkreis der WEA kartieren können und an den Landkreis gemeldet.

Allerdings ergab sich durch die Kartierung auch eine Frage, die plötzlich einen Stein ins Rollen brachte, der dann zur Lawine wurde. Doch der Reihe nach…

Auslöser für die arbeitsreichen 4 Wochen

Wir schickten am 5.5.2020 eine Mail an den Landkreis mit unserer Meldung zu kartierten Horsten, den Sichtungen des Schwarzstorchs sowie der Dokumentation von rastenden Zugvögeln (Kraniche, Silberreiher, Graureiher) auf der WEA-Fläche im Februar 2020.

Zusätzlich fragten wir den Landkreis:

In dem Avifauna-Gutachten des Windkraft-Betreibers wurden Horste mit Koordinaten benannt, die wir aber bei unserer „Suche nach Horst“ nicht finden konnten. In der Nähe liegen gefällte Baumstümpfe, gibt es da vielleicht einen Zusammenhang?

Wir erhielten recht zügig eine Nachricht, dass unsere Sichtungen eingegangen sind. Auf die Frage nach den verschwundenen Horsten aus dem vorliegenden Avifauna-Gutachten hatte der Landkreis ad hoc auch keine Antwort.

Was aber sehr positiv war: zur Klärung des Sachverhalts wurde uns ein Ortsbegehungstermin angeboten, um hier direkt vor Ort zu schauen, was los ist.

Ortsbegehung

Die Ortsbegehung wurde festgelegt auf Freitag, 29.05.2020 – Teilnehmer waren u.a. Mitarbeitende zum Thema Avifauna/Naturschutz/WEA aus dem Landkreis, die mit unserem Fall betraut sind, der Gutachter des WEA-Betreibers, ein Vertreter des Grundstück-/Waldstückeigentümers, und wir (Vertreter aller betroffenen Ortsteile Bühle, Sudheim, Bishausen).

Das Ergebnis der Ortsbegehung war grob zusammengefasst folgendes:

  • Uns wurde gesagt, dass die gefällten Bäume krank gewesen seien und daher gefällt werden mussten, aber keiner der gefällten Bäume einen Horst trug (dann wäre eine Fällung nicht erlaubt)
  • Es ließen sich nicht zu 100% die Bäume mit Horsten aus dem Gutachten zuordnen, da an den Standorten keine Horste zu sehen waren.
  • Die Horstkartierung fand 2016/2017 statt – relevant waren hierbei nur 14 Horste in einem kleinen Bereich rund um die WEA
  • Der Gutachter hat selbst eingeräumt, dass Sturm Friedericke im Januar 2018 dafür verantwortlich sein könnte, dass Horste schlicht verschwunden sind – die Vögel würden dann halt einfach neue in der Nähe aufbauen
  • ABER: Eine Nachkontrolle 2019 hat es scheinbar nicht gegeben, denn es liegt nichts beim Landkreis vor (die Nachkontrolle ist aber vorgeschrieben für so ein Gutachten laut den gesetzlichen Leitfäden/Bestimmungen)
  • Die Dokumentation der Horste im Gutachten war mit vertauschten Koordinaten erfolgt – das passiere dem Gutachter öfter, wie er selbst erklärte
  • Die Frage nach der „Gültigkeit“ eines Avifauna-Gutachtens wurde seitens WEA-Betreiber mit 5 Jahren angegeben.

Die Ortsbegehung endete nach knapp 4,5 Stunden.

Fakt ist: es gibt hier keine offizielle „Gültigkeitsdauer“, vielmehr ist auf Beobachtungen und Meldungen durch die Bürgerschaft einzugehen. Ein Sturm wie Friedericke wäre durchaus ein berechtigter Grund, hier nochmals neu zu prüfen. Dies trifft insbesondere deswegen zu, da nachweislich und durch den Gutachter selbst zugegeben, dies der Grund für das Verschwinden von etwas mehr als der Hälfte der näher untersuchten Horste im Gutachten sein könnte.

Es wurde seitens Landkreises eine Frist genannt, innerhalb der die BIPapenberg noch weitere Eingaben machen könne, die die Avifauna betreffen.

Wir waren uns einig: Hier geht noch was, wir müssen nochmal ran und uns schnellstmöglich etwas einfallen lassen.

Dies war der kleine Stein, der eine Lawine an Arbeit ins Rollen brachte, die uns den kompletten Juni ordentlich beschäftigt hielt. Zu unser aller Glück aber nach einigen Rückschlägen für uns doch durchaus positive Ergebnisse brachte…

Weiter geht es mit Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 2: Auf den Spuren eines Waldläufers