Terminankündigung- Weitblick Leinetal – 4.9.2020

Auch das Leineweber-Sechseck ist mittlerweile von Bauvorhaben bzgl. Windenergie betroffen.

Und auch hier gibt es gute Gründe, die eigentlich gegen ein Bauvorhaben sprechen.

Um hier Aufklärungsarbeit zu leisten und zu unterstützen, laden wir gerne stellvertretend ein, sich selbst am 4.9.2020 am DGH Hevensen – Wolbrechtshausen zu informieren. Start ist um 18 Uhr (bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im DGH statt).

Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 4

Oder auch: Wenn die Bäume zu alten Bekannten werden und Du darüber nachdenkst, sie mit Namen anzusprechen

Erschöpft aber doch eigentlich ganz positiv gestimmt, vereinbarten wir nach unserer letzten Waldbegehung mit dem Mann, der auf Bäume kletterte, dem Flug der Vögel mal etwas mehr Beachtung zu schenken. Lieber auf Nummer Sicher gehen!

Stimmung wie am Lagerfeuer

So positionierten sich zwei von uns, um näher zu begutachten, woher die Rotmilane kommen und wohin sie eigentlich genau fliegen.

Wer schon einmal irgendwo im nirgendwo versunken hinter grünen Büschen auf die erleuchtende Erkenntnis auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gewartet hat, wird sich in etwa vorstellen können, dass es Spannenderes gibt… Die Stündchen vergingen, der ein oder andere Schwank aus der Jugend wurde erzählt, es war ein bisschen Stimmung wie im Ferienlager. Nur ohne Ferien. Und ohne Lager. Und ohne Klampfe. Blattrauschen im Wind geht irgendwann auch als Musikuntermalung durch.

Und täglich grüßt der Waldspaziergang

Das Warten im Dickicht sollte sich aber am Ende des Tages auszahlen. Wir konnten mit deutlicher Sicherheit sagen, dass wir eine Einflugschneise ausmachen konnten.

Es wurde sich also für den nächsten Tag verabredet und vereinbart, an dieser Stelle im Wäldchen doch nochmal offenen Auges nach verdächtig vollgekleckerten Blättern unter Bäumen Ausschau zu halten. Gesagt, getan. Ähnlich wie Suchtrupps auf Mission im Dschungel, durchkämmten wir tapfer den Wald. Wir können nur sagen: Irgendwann hat man gefühlt alle Bäume schon 20-mal gesehen. Dass man sie noch nicht mit Namen ansprach, lag an den doch angenehmeren Temperaturen und der stetigen Versorgung mit Wasser.

Irgendwann kam die Meldung: „Wir haben es!“ – juhu, das Wochenende ist gerettet! Doch die Ernüchterung war groß, falscher Alarm. Es dauerte dann nochmal eine gefühlte Ewigkeit, bis dann doch mit Bildern garniert die Meldung auf unseren Handys aufploppte: „Jetzt aber wirklich, wir haben es!“

Erfolg auf ganzer Linie

Und tatsächlich – da waren die verdächtigen Spuren unter dem Baum und der Horst oben ließ sich auch wunderbar erkennen. Und das allerbeste: Rotmilane! Uns fiel gefühlt ein Stein vom Herzen, die Mühe und Anstrengung hat sich gelohnt. Und das allerbeste: Dieser besetzte Horst war nicht mal 1.000 Meter von der geplanten WEA entfernt!

In Windeseile wurden Pläne zum weiteren Verfahren gemacht. Die Beglaubigung beim Notar – na klar, das machen wir wie beim letzten Mal auch schon. Und natürlich auch direkt den Landkreis in Kenntnis setzen über unseren Fund. Die Mitarbeiterinnen, mit denen wir bislang schon Kontakt gepflegt hatten, waren von unseren Bildern und dem Fund ebenfalls beeindruckt und eilten flugs sobald es der Terminkalender hergab herbei, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen.

Es ist schon erstaunlich, wie viele besetzte Horste es hier in der Umgebung tatsächlich so gibt. Dabei sind wir uns auch sicher, wir haben bestimmt bei weitem noch nicht alles gefunden.

Und manchmal stolpert man über unerwartete Dinge…

Auf unseren Waldgängen sind wir quasi aus dem Nichts heraus auf ein Feld gestolpert, das besonders durch die blühenden Pflanzen dort buchstäblich ins Auge fiel. Wir hatten gerüchteweise schon gehört, dass es bei uns auch seltene Pflanzen geben soll, aber bislang nichts Handfestes dazu gefunden. Und tatsächlich – da war es. Wir machten also eifrig Fotos, kartierten unseren Fund und teilten dies auch direkt dem Landkreis mit.

Ende gut, alles gut?

Nachdem der Juni also besonders intensiv mit Waldspaziergängen/-begehungen war, unzählige Zecken über uns herfielen und am Ende alles an den Landkreis gemeldet worden war, hieß es: durchatmen!

Wir harren jetzt der Dinge, die da kommen. Natürlich geht es hinter den Kulissen weiter. Wir stehen im Austausch mit unserem Rechtsbeistand, der ebenfalls auf aktuelle Informationen vom Landkreis wartet. Zusätzlich recherchieren wir weiter, was wir noch tun können und planen bereits die nächsten Schritte, um nicht kalt erwischt zu werden.

Sobald es hier wieder Neuigkeiten gibt, werden diese hier veröffentlicht werden.

Bis dahin wünschen wir allen ein paar sonnige Tage!

Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 3

Oder auch: Der Mann, der auf die Bäume klettert

Der Landkreis sah sich also in der Pflicht, unsere Meldungen und Entdeckungen bezüglich der Bruthorste zu prüfen. Nach einigen Telefonaten war auch schnell ein passender Experte gefunden, der extra seinen Weg zu uns in den Landkreis machen würde. Vorab wurden die entsprechenden Daten zur Vorbereitung übermittelt und wir organisierten ein paar von uns für den angedachten Termin, die zusammen mit dem Gutachter die einzelnen Bäume aufsuchen sollten.

Ob das Wetter wohl hält?

Das Wochenende vor der Begehung zog Regen auf. Nicht gut, gar nicht gut. Die ganzen Vogelkotspuren drohten sich im wahrsten Sinne des Wortes zu verflüssigen und im Erdreich zu versickern. Wir hatten zwar unsere Proben längst genommen (wir erinnern uns an die telefonische Odyssee quer durch die Republik zwecks Analyse), aber würde das nicht zu unserem Nachteil ausgelegt, wenn praktisch nichts mehr am Boden zu sehen sein würde? Mit etwas Unbehagen harrten wir also aus und baten das Wetter, gnädig mit uns zu sein. Denn auch mit GPS-Koordinaten und Fotos bewaffnet ist es in einem belaubten Waldstück echt schwer, genau den einen bestimmten Baum wiederzufinden…

Wer da wohl wohnt hoch oben im Baum?

Die Tage vergingen, das Wetter hielt einigermaßen an. Und plötzlich war er da: der Tag der Begehung mit dem Gutachter. Ein kleiner Trupp traf sich wie verabredet. Schon konnte die „kleine“ Tour beginnen. Aufgrund der Verteilung der einzelnen Bruthorste kann man sich vermutlich vorstellen, dass die kleine Tour eher einem ausgewachsenen Geländemarathon glich und einige Stunden dauerte.

Woran wir bis zu dem Moment keinen wirklichen Gedanken verschwendet hatten, war die Frage: Wie will der Gutachter denn eigentlich bestimmen, welcher Vogel da im Nest sitzt? Im Telefonat mit dem Landkreis als es um die Terminabstimmung ging, wurde zwar etwas erwähnt, was wir aber eher als lockeren Witz aufgefasst hatten.

Der Zauberrucksack

Wir staunten also nicht schlecht, als der Gutachter aus seinem von uns bislang wenig beachteten Rucksack diverse Gerätschaften zauberte. Es dauerte einen Moment, ehe es uns dämmerte. Er hatte tatsächlich vor, auf den Baum zu klettern! Noch bevor wir das in irgendeiner Form kommentieren konnten, war er auch schon – schwupps – oben. Hätten wir es nicht selbst gesehen, wir könnten es kaum glauben.

Kurz darauf war er auch schon wieder unten und der Marsch zum nächsten Bruthorst konnte fortgesetzt werden.

Wir dachten, das wär’s schon gewesen

Während wir uns also Stück für Stück von Horst zu Horst arbeiteten, erzählten wir so von unseren bisherigen Sichtungen. Der Gutachter hörte höflich zu, nickte, kommentierte aber wenig bis kaum und wechselte eher Richtung Small Talk und allgemeine Themen wie das Wetter.

Bei einem der weiteren Horste im Verlauf unserer Exkursion war für ihn aber auch nichts mehr zu holen mit der bisherigen Prozedur, mal eben auf den Baum hoch zu klettern. Da zog er das nächste unerwartete Teil aus dem Rucksack: eine kleine Drohne. So konnte er sich auch recht gut ein Bild von oben aus der Vogelperspektive machen. Geschickt manövrierte er die Drohne zwischen den Ästen nach oben, prüfte über den Monitor, was da oben saß und schon schwebte das kleine Helferlein sanft zurück zu Boden.

Ganz zum Ende der Tour bedankte er sich für die Führung und gab an, dass er seine Stellungnahme demnächst dem Landkreis zur Verfügung stellen werde. So zog er von dannen und ließ unser Grüppchen etwas verloren am Waldesrand zurück.

Unverhofft kommt oft

Während wir so in der Runde standen und unsere Exkursion der letzten Stunden Revue passieren ließen, kamen wir nicht umhin, etliche Rotmilane im Flug zu beobachten. Dabei fiel uns schon während der vergangenen Stunden auf, dass einzelne Vögel immer aus derselben Richtung zu kommen schienen. Das war interessant und neu und schrie geradezu danach, näher untersucht werden zu wollen.

Zugegeben, ein bisschen gaga kommt man sich ja schon vor. Man ist hundemüde von der stundenlangen Wanderung über Stock und Stein, durch den Wald und querfeldein, und trotzdem registriert irgendwas im Hinterstübchen, dass man da mal näher hinschauen sollte.

Was da wohl für ein Geheimnis darauf wartete, gelüftet zu werden, folgt sobald in: Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 4.

Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 2

Oder auch: Auf den Spuren eines Waldläufers

Nachdem die Ortsbegehung beendet war, fanden wir uns also zu einer Absprache zusammen, wie es jetzt weitergehen soll. Die Marschrichtung war klar: Wir brauchen noch mehr Material, das wir dem Landkreis liefern müssen. Von der Ortsbegehung selbst fertigten wir ein Gedächtnisprotokoll an. Man weiß ja schließlich nie, ob man das nochmals braucht, um Informationen nachzuschlagen.

Von Flugsichtungen zu Horsten zu Bruthorsten – ja was denn nun?

Allerdings waren wir auch etwas ratlos, denn unsere Mühen schienen bislang nur bedingt hilfreich für den Landkreis zu sein. Bei der Ortsbegehung hieß es in etwa sinngemäß, dass das eigentlich wichtige nur besetzte Horste seien. Zwar ist die Vielzahl der kartierten Horste auch ein gutes Indiz für das Vorhandensein von Vögeln (wer hätte es gedacht…), aber eben nicht so aussagekräftig, wie wir uns das eigentlich gedacht haben.
(Spoiler: natürlich sind diese trotzdem wichtig, denn auch alte Horste haben eine gewisse Zeit Bestandschutz und sind ein Indikator für die Nutzung des Raums rund um die WEA).

Hätte man uns das mal vorher gesagt… ist ja nicht so, dass wir nicht alle und alles mobilisiert hatten im letzten Jahr, Flugbewegungen und Rotmilansichtungen zu dokumentieren. Wir erinnern uns: im August 2019 haben wir wirklich viele Kartierungen als Gesamtpaket über unseren Rechtsbeistand an den Landkreis gegeben.

Im Laufe der Zeit kristallisierte sich dann aber heraus, dass der Landkreis für seine Prüfung dann doch lieber Horste gehabt hätte. Ok, dachten wir uns, kriegen wir alle zusammen hin. Mit Unterstützung aus den einzelnen Ortschaften haben wir also die „Suche nach Horst“ erfolgreich initiiert und am Ende knapp 70 Horste an den Landkreis melden können. Wir hatten gefühlt schon Grund zur Freude, denn unter unseren Meldungen war bereits ein Bruthorst eines Rotmilans dabei, sowie ein Uhugelege.

Und plötzlich schien es, als wäre das eigentlich und irgendwie doch nicht ausreichend.
Puh, da mussten wir alle echt mal durchatmen.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg

Wer jetzt denkt, wir hätten den Kopf in den Sand gesteckt – weit gefehlt!

Wir einigten uns darauf, uns Unterstützung zu holen, um die von uns kartierten Horste hinsichtlich Besatz mit Brutvögeln zu prüfen. Es ist eine Sache, in unbelaubten Bäumen Horste zu finden, eine andere jedoch, rauszufinden, welcher Horst von Brutpaaren tatsächlich genutzt wird.

Gesucht und gefunden – der Waldläufer auf Spurensuche

Uns war klar, dass es ein relativ großes und aufwendiges Stück Arbeit werden würde, die Horste zu überprüfen. Unterstützung erhielten wir von einem Waldläufer, der tatsächlich auch deutlich mehr Ahnung von Horsten und Vögeln hatte als wir. Innerhalb kürzester Zeit konnte er starten.

Es ging im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein, waldauf, waldein, bei Regen und bei Sonnenschein. 🙂

Und was sollen wir sagen? An dieser Stelle sparen wir uns und allen Lesern die Details zu einzelnen Zwischenerfolgen  und springen direkt zum doch wirklich beachtlichen Ergebnis von 6 mit brütenden Vögeln besetzten Horsten.

Ein Horst, allerdings damals ohne Besatz, war bereits aus dem Gutachten des WEA-Betreibers bekannt gewesen. Hier aber ein Brutpaar nachzuweisen, ist gut für uns.

Wer suchet, der findet und lasst uns auf Nummer Sicher gehen

Hier folgt eine Auflistung der doch beachtlichen Funde unseres Waldläufers. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankschön für den grandiosen Einsatz!

01B20 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 700 Meter
K45 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 850 Meter
04B20 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 1450 Meter
Gutachterhorst41 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 1500 Meter
K6 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 2300 Meter
K34 – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 2350 Meter
Uhugelege – Entfernung zum Mittelpunkt der WEA: ca. 2250 Meter

Wie können wir aber nun sicherstellen, dass diese gefundenen Horste möglichst auch nicht angezweifelt werden und ihnen zusätzlich mehr Gewicht verleihen?

Die Lösung: wir lassen diese Funde vom Notar beglaubigen! Und wenn wir eh schon dabei sind, das Gedächtnisprotokoll mit den Aussagen z.B. zu Sturm Friedericke lassen wir ebenfalls gleich mit beglaubigen. Gesagt, getan. Ein paar Telefonate später steht ein Termin und am Ende gehen eidesstattliche Versicherungen direkt an den Landkreis.

Derweil weitab vom Wald glühen die Telefonleitungen

Parallel zur Spurensuche unseres Waldläufers haben wir in ganz Deutschland (und das wortwörtlich von Freiburg im Breisgau bis hoch nach Kiel) rumtelefoniert, um irgendwo ein Labor zu finden, das die gesammelten Kotspuren unterhalb der besetzten Horste analysieren kann. Das wäre eine „einfache“ Methode gewesen, zu bestimmen, welcher Vogel da nun brütet. Leider ist „einfach“ für einen Laien in der Praxis für den Experten manchmal schwieriger als es sich der Laie denkt…. Egal wo, uns wurde praktisch einstimmig landauf, landab erklärt, dass dieses Vorhaben praktisch unmöglich ist (Vogelkot ist extrem sauer und eignet sich nicht für eine Probenvorbereitung zur DNA-Bestimmung – wieder was gelernt).

Tada! – Jetzt kommt Leben in die Bude

Die Zustellung der eidesstattlichen Versicherung der Bruthorste und des Uhugeleges wiederum löste eine Aktion beim Landkreis aus, mit der wir tatsächlich gar nicht gerechnet hatten, die wir aber umso mehr begrüßten: ein offizieller Gutachter muss her. Und zwar schnell.

Weiter geht’s mit Ereignisreicher Juni – Teil 3. Und es bleibt erstmal spannend. 🙂

Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 1

Oder auch: Der Stein, der alles ins Rollen brachte

Es wird Zeit, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen und alle auf den neuesten Stand zu bringen. Denn es stellt sich – zurecht! – die Frage: Was ist denn jetzt eigentlich in der Zwischenzeit passiert? Man hört ja quasi nichts, tut sich da noch was? Die Antwort ist ganz klar: JA! Es tat sich jede Menge, die Ereignisse haben sich ein wenig überschlagen.

Wie es nach der „Suche nach Horst“ weiterging

Unsere letzte kommunizierte Aktion war ja „Suche nach Horst“. Wie schon geschrieben, haben wir über 70 Horste im Umkreis der WEA kartieren können und an den Landkreis gemeldet.

Allerdings ergab sich durch die Kartierung auch eine Frage, die plötzlich einen Stein ins Rollen brachte, der dann zur Lawine wurde. Doch der Reihe nach…

Auslöser für die arbeitsreichen 4 Wochen

Wir schickten am 5.5.2020 eine Mail an den Landkreis mit unserer Meldung zu kartierten Horsten, den Sichtungen des Schwarzstorchs sowie der Dokumentation von rastenden Zugvögeln (Kraniche, Silberreiher, Graureiher) auf der WEA-Fläche im Februar 2020.

Zusätzlich fragten wir den Landkreis:

In dem Avifauna-Gutachten des Windkraft-Betreibers wurden Horste mit Koordinaten benannt, die wir aber bei unserer „Suche nach Horst“ nicht finden konnten. In der Nähe liegen gefällte Baumstümpfe, gibt es da vielleicht einen Zusammenhang?

Wir erhielten recht zügig eine Nachricht, dass unsere Sichtungen eingegangen sind. Auf die Frage nach den verschwundenen Horsten aus dem vorliegenden Avifauna-Gutachten hatte der Landkreis ad hoc auch keine Antwort.

Was aber sehr positiv war: zur Klärung des Sachverhalts wurde uns ein Ortsbegehungstermin angeboten, um hier direkt vor Ort zu schauen, was los ist.

Ortsbegehung

Die Ortsbegehung wurde festgelegt auf Freitag, 29.05.2020 – Teilnehmer waren u.a. Mitarbeitende zum Thema Avifauna/Naturschutz/WEA aus dem Landkreis, die mit unserem Fall betraut sind, der Gutachter des WEA-Betreibers, ein Vertreter des Grundstück-/Waldstückeigentümers, und wir (Vertreter aller betroffenen Ortsteile Bühle, Sudheim, Bishausen).

Das Ergebnis der Ortsbegehung war grob zusammengefasst folgendes:

  • Uns wurde gesagt, dass die gefällten Bäume krank gewesen seien und daher gefällt werden mussten, aber keiner der gefällten Bäume einen Horst trug (dann wäre eine Fällung nicht erlaubt)
  • Es ließen sich nicht zu 100% die Bäume mit Horsten aus dem Gutachten zuordnen, da an den Standorten keine Horste zu sehen waren.
  • Die Horstkartierung fand 2016/2017 statt – relevant waren hierbei nur 14 Horste in einem kleinen Bereich rund um die WEA
  • Der Gutachter hat selbst eingeräumt, dass Sturm Friedericke im Januar 2018 dafür verantwortlich sein könnte, dass Horste schlicht verschwunden sind – die Vögel würden dann halt einfach neue in der Nähe aufbauen
  • ABER: Eine Nachkontrolle 2019 hat es scheinbar nicht gegeben, denn es liegt nichts beim Landkreis vor (die Nachkontrolle ist aber vorgeschrieben für so ein Gutachten laut den gesetzlichen Leitfäden/Bestimmungen)
  • Die Dokumentation der Horste im Gutachten war mit vertauschten Koordinaten erfolgt – das passiere dem Gutachter öfter, wie er selbst erklärte
  • Die Frage nach der „Gültigkeit“ eines Avifauna-Gutachtens wurde seitens WEA-Betreiber mit 5 Jahren angegeben.

Die Ortsbegehung endete nach knapp 4,5 Stunden.

Fakt ist: es gibt hier keine offizielle „Gültigkeitsdauer“, vielmehr ist auf Beobachtungen und Meldungen durch die Bürgerschaft einzugehen. Ein Sturm wie Friedericke wäre durchaus ein berechtigter Grund, hier nochmals neu zu prüfen. Dies trifft insbesondere deswegen zu, da nachweislich und durch den Gutachter selbst zugegeben, dies der Grund für das Verschwinden von etwas mehr als der Hälfte der näher untersuchten Horste im Gutachten sein könnte.

Es wurde seitens Landkreises eine Frist genannt, innerhalb der die BIPapenberg noch weitere Eingaben machen könne, die die Avifauna betreffen.

Wir waren uns einig: Hier geht noch was, wir müssen nochmal ran und uns schnellstmöglich etwas einfallen lassen.

Dies war der kleine Stein, der eine Lawine an Arbeit ins Rollen brachte, die uns den kompletten Juni ordentlich beschäftigt hielt. Zu unser aller Glück aber nach einigen Rückschlägen für uns doch durchaus positive Ergebnisse brachte…

Weiter geht es mit Ereignisreicher Juni 2020 – Teil 2: Auf den Spuren eines Waldläufers

Aktueller Stand – alles neu macht der Mai

Der Mai ist zur Hälfte rum und wir können heute eine kurze Zwischeninfo geben:

Insgesamt haben wir knapp 70 Horste kartiert, Danke für die Mithilfe!

Wir haben bereits alles zusammengestellt und an den Landkreis gegeben. Zusätzlich hat unser Rechtsbeistand ebenfalls Unterlagen erhalten und arbeitet an einer neuen Stellungnahme zu neueren Erkenntnissen.

Auch wenn mal eine Weile nichts von uns zu hören ist – hinter den Kulissen herrscht Hochbetrieb. Fast schon wie bei all den Vögeln und Insekten, die gerade emsig Nester bauen und sich auf den Sommer vorbereiten.

In diesem Sinne: einen schönen Sonntag an Alle!

DANKE für die Mithilfe!

Der Frühling ist in vollem Gange, die Bäume tragen bereits ihr frisches Grün.

Daher ist die „Suche nach Horst“ an dieser Stelle vermutlich zunächst einmal beendet, da die Horste mittlerweile eher schwierig zu finden sein dürften.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die uns so engagiert und fleißig unterstützt haben und ihre jeweiligen Sichtungen mit Foto und Koordinaten gemeldet haben!

Wir arbeiten aktuell an einem neuen Schriftsatz für den Landkreis und stimmen uns mit unserem Rechtsbeistand ab, wie wir mit den kartierten Horsten am sinnvollsten verfahren können.

Denn eines ist gewiss: Wir sind noch nicht am Ende dieses Verfahrens angekommen und müssen auf jeden Fall dran bleiben!

In diesem Sinne: ein schönes und langes Maiwochenende an alle!

Unsere letzte Pressemitteilung

Für alle, die es interessiert, wie unsere ursprüngliche Pressemitteilung gelautet hatte, möchten wir diese hier veröffentlichen. In der veröffentlichten Fassung wurde unsere Pressemitteilung etwas „entschärft“ wiedergegeben .

Herrscht Flaute bei der Stadt Northeim?

Zum Jahresauftakt hat die BIPapenberg mit großem Interesse die Debatte um den Flächennutzungsplan der Stadt Northeim verfolgt.

Korrekt ist, dass die Politik in ihrem Stadtratsbeschluss im Juni 2019 der Verwaltung den Auftrag erteilt hat, sich um die Ausfertigung des Flächennutzungsplanes zu kümmern.

Die Begründung für diesen Ratsbeschluss war, dass die Stadt Northeim deutlich schneller in der Umsetzung zur Erstellung des Flächennutzungsplans sein könnte und würde als der Landkreis Northeim. Zusätzlich würde von einem detaillierteren Avifauna-Gutachten vor Ausweisung von Windvorranggebieten profitiert werden. Der Landkreis sieht bei seinem RROP erst einmal nur oberflächliche Gutachten hinsichtlich Avifauna vor. Detaillierte Prüfungen würden entweder bei konkreter Anfrage erstellt bzw. eher als Aufgabe an den Antragsteller übertragen.

Umso verwunderlicher ist es für die Mitglieder der BIPapenberg, dass der von der Stadt Northeim im September selbst vorgestellte Zeitplan in der öffentlichen PBU-Ausschuss zur Beauftragung eines Generalunternehmers nicht eingehalten worden ist. Demnach hätte die Ausschreibung bereits in der KW 43 / 2019 (= ab 21.10.2019) erfolgen sollen, sowie die Prüfung der eingegangenen Bewerbungen und die Vorbereitung der Vergabe ab KW 47 / 2019 (= ab 18.11.2019).

Bürgermeister Hartmann bestätigte jüngst selbst öffentlich, dass die Ausschreibung noch bis zum 22. Januar (= KW 4 / 2020) läuft. Demnach werden wohl im Anschluss die eingegangenen Bewerbungen gesichtet, um dann den Auftrag zu vergeben. Rein rechnerisch ergibt sich hier ein Verzug gegenüber der im September 2019 vorgestellten Planung von insgesamt 10 Wochen (gerechnet ab Abschluss der Ausschreibungsfrist KW 46 / 2019 vs. KW 4 / 2020).

Schade eigentlich – hier hat die Stadt Northeim wertvolle Zeit verstreichen lassen, die jetzt für ein sinniges Avifauna-Gutachten noch in diesem Jahr fehlen wird. Damit wird der Prozess zur Erarbeitung des Flächennutzungsplans signifikant verzögert.

Die Mitglieder der BIPapenberg jedenfalls sind sichtlich verärgert und verwundert. Denn Grundlage für ein sinniges Avifauna-Gutachten, das neben anderen Dokumenten als Grundlage zur Erarbeitung des Flächennutzungsplanes und damit zur Ausweisung von Windvorranggebieten dienen soll, ist die Kenntnis über vorhandene Rotmilan-Horste. Bei belaubten Bäumen lassen sich Horste allerdings generell schlechter finden.

Wie man dann einen kompletten Jahreszyklus an Beobachtung z.B. der Rotmilane gewährleisten will, ohne konkret zu wissen, wo sich weitere zu den bereits bekannten Horsten überhaupt befinden, wird zunächst wohl ein Geheimnis bleiben.

Der zeitliche Vorteil durch die bei der Stadt Northeim verbliebene Planungshoheit schmilzt damit dahin wie Eis in der Sonne. Bleibt nur die Frage, warum hier die Dringlichkeit des Avifauna-Gutachtens trotz aller Mahnungen durch den Stadtrat kein Gehör findet. Vielleicht verhallte die Mahnung auch einfach im abflauenden Wind.

Die Redaktion der BIPapenberg

„Suche nach Horst“

Wie vermutlich viele von Euch/Ihnen mitbekommen haben, haben wir eine Pressemitteilung an die HNA geschickt, die auch vor ein paar Tagen veröffentlicht wurde.

Wir haben unsere Verwunderung darüber geäußert, dass die Stadt Northeim noch immer keinen Generalunternehmer hat, der sich um das Avifauna-Gutachten im Rahmen der Erstellung des F-Plans kümmern soll.

Das heißt, wir haben ein Problem: Aktuell sind die Bäume noch kahl, d.h. es ist leicht möglich, die Horste von Rotmilan oder Schwarzstorch zu suchen und zu kartieren. Sobald die Bäume wieder Laub tragen, verbergen sich die Horste derart gut, dass eine Suche schwierig wird.

Sinn und Ziel ist: Wir möchten möglichst umfangreich wissen, wo sich Horste befinden, um sie mit dem vorhandenen, mangelhaften Avifauna-Gutachten des Windenergieunternehmens abzugleichen. Zusätzlich ist es dann leichter möglich, zu prüfen, welche Horste von Brutpaaren genutzt werden. Denn innerhalb eines bestimmten Radius um derartige Horste dürfen keine Windanlagen stehen!

Deshalb die dringende Bitte an alle: Helft uns und meldet uns mit Fotos und am Besten direkt auch GPS-Daten oder auf einer Karte markiert, wo sich Horste befinden. Schreibt uns direkt Redaktion@bipapenberg.de oder kontaktiert jemanden aus der entsprechenden Ortschaft.

Wir haben hier auf einer Karte (klicke hier für die größere PDF-Version) eingeteilt, welche Ortschaft welchen Teil übernehmen könnte, damit nicht alle gleichzeitig dasselbe Landschaftsstück absuchen.

Hier ist unsere Einteilung, welche Ortschaft welchen Teil der „Suche nach Horst“ übernehmen könnte.

Wir danken bereits jetzt für rege Mithilfe!

Verwirrung um Artikel im Gemeindeblatt

Wie auf dem letzten Infotreffen schon erklärt, treffen wir uns nach wie vor regelmäßig 1x pro Woche, um zu besprechen, was so ansteht und wo/wie wir uns gegenseitig unterstützen können.

Ein Thema, das hier zu etwas Irritation geführt hat, war ein Artikel in einer der letzten Ausgaben unseres Gemeindeblattes zur Situation in einem der anderen Ortsteile, der ebenfalls durch den Bau von Windenergieanlagen bedroht ist.

Wer das Gemeindeblatt aufmerksam gelesen hat, wird vermutlich festgestellt haben, dass wir als BIPapenberg lediglich Terminankündigungen tätigen, aber keine näheren Informationen veröffentlichen. Es ist ja nicht so, dass wir es nicht versucht hätten oder nicht wollen würden. Wir hatten ganz zu Beginn der Gründung der BIPapenberg einen Artikel geschrieben und zur Veröffentlichung eingereicht, um über Aktionen etwas detaillierter zu berichten.

Die Redaktion des Gemeindeblattes hat uns aber erklärt, dass politische Äußerungen oder Leserbriefe nicht gewünscht sind.

Umso erstaunter waren wir, dass in der Ausgabe 22 ein Artikel mit Detailinfos zur gegründeten Bürgerbewegung unter den Ankündigungen des betroffenen Ortsteils zu lesen war.

Konkret möchten wir hier an dieser Stelle wie folgt feststellen:

  • Wir unterstützen selbstverständlich auch die Bürgerbewegung im betroffenen Ortsteil von Nörten-Hardenberg!
  • Die Argumente, die wir gegen den Standort Gemarkung Bishausen aufführen, treffen so auch für das übrige Gemeindegebiet zu (und sind aber natürlich von Rechts wegen zu prüfen)!

Kurzum: Als wir die Redaktion des Gemeindeblattes auf diesen Umstand hingewiesen hatten, hatten wir eigentlich gehofft, für uns auch die Möglichkeit zu erhalten, beim nächsten Mal etwas detaillierter berichten zu dürfen. Es hätte ja sein können, dass sich die grundlegende Haltung zu derartigen Anliegen aufgrund der Betroffenheit eines größeren Personenkreises (eben nicht nur wir in Bishausen) geändert hat.

Leider ist dem nicht so und der Redaktion ist dieser Beitrag lediglich bei der Überprüfung durchgerutscht.

Das ist sehr schade für uns, da es dann dabei bleibt, nur über Termine ohne weitere Inhaltsangaben an sich informieren zu können.